Die Behörde des Bundesbeauftragten von Kultur und Medien soll in einer unbekannten Anzahl von Fällen Rechercheanfragen von Journalisten samt Absenderangaben an die Weimer Media Group weitergeleitet haben, an dessen Spitze Wolfram Weimer vor seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr stand. Das berichtete am 10. Juni der "Tagesspiegel". Damit erfuhr die Weimer Media Group von den Recherchen und womöglich von dem Kenntnisstand der anfragenden Journalistinnen und Journalisten. Eine solche Praxis ist rechtswidrig. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster: "Der Kulturstaatsminister Weimer muss auch Recherchen über den Medienmanager Weimer schützen." Deshalb müssten die vom "Tagesspiegel" erhobenen Vorwürfe unverzüglich aufgeklärt werden.
Der DJV hat die Regierungskoalition aufgefordert, die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz zügig in deutsches Recht umzusetzen. Dafür muss das vorhandene deutsche Entgelttransparenzgesetz reformiert werden. Eine entsprechende Frist der Europäischen Union ist bereits verstrichen. Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, auch im Journalismus, duldet keinen weiteren Aufschub. Zwar sehen die Tarifverträge im Medienbereich gleiche Bezahlung von Journalistinnen und Journalisten vor, aber Aufstiegschancen oder die Besetzung von Führungspositionen sind in Tarifverträgen schwer zu regeln. Eine nicht bekannte Zahl von Medienunternehmen unterliegt keiner Tarifbindung. Das erweiterte Entgelttransparenzgesetz ist hier das einzige Mittel, um Wildwestmethoden auf dem Rücken einiger Medienschaffenden zu verhindern.
Am 9. Juni, ein Tag nach dem erfolgreichen Warnstreik beim Westdeutschen Rundfunk, schloss der WDR einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft VRFF ab. Die Verhandlungen mit dem DJV NRW, mit ver.di und Unisono laufen weiter. Dieser Einzelabschluss stellt einen Eklat dar, den es so im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch nicht gab. Als besonders heikel empfinden die drei Gewerkschaften unter anderem die geplante Regelung zur Personalgestellung innerhalb der ARD. Nach Plänen des Senders könnten WDR-Beschäftigte künftig dauerhaft in anderen Anstalten oder bei ganz anderen Arbeitgebern eingesetzt werden. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 1. Juli statt.
FAZ depubliziert Gastbeitrag von MP Voigt wegen KI
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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat einen Gastbeitrag des thüringischen CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt vom August 2025 depubliziert und im FAZ-Archiv gesperrt. Der Text, in dem es um die Nutzungsbeschränkung von Smartphones und Social Media-Kanälen für Jugendliche ging, soll zu 100 Prozent von Künstlicher Intelligenz erstellt worden sein. Auf eine entsprechende Anfrage der FAZ an die Erfurter Staatskanzlei erhielt die Zeitung eine eher allgemeine Antwort, nach der die Nutzung von KI "zum Arbeitsalltag moderner Organisationen gehört und eben auch zur öffentlichen Verwaltung". Das genügte der FAZ nicht.
Die Berliner Verkehrsbetriebe haben die Werbekampagne des Rechtsaußen-Portals Nius in ihren Verkehrsmitteln beendet. "Anlass ist die Veröffentlichung eines Werbemotivs auf Social Media, das den Eindruck erzeugt, es hinge in der Berliner U-Bahn, und das aus Sicht der BVG und nach rechtlicher Bewertung die Grenzen der zulässigen Meinungs- und Werbefreiheit überschreitet", heißt es zur Begründung. Nius-Chefredakteur Julian Reichelt will gegen das Werbe-Aus klagen. Gegen die Nius-Werbung hatte es eine Online-Petition mit mehr als 130.000 Unterschriften gegeben.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass das Weglassen von Fakten in der journalistischen Berichterstattung über eine namentlich genannte Person wie eine falsche Tatsachenbehauptung gewertet werden kann (Az. VI ZR 346/24). Im vorliegenden Fall hatte ein Recherchekollektiv über einen sächsischen Bauunternehmer als Beispiel für extrem rechtes Unternehmertum berichtet. Dass er nicht nur an die AfD, sondern einen größeren Geldbetrag an die CDU gespendet hat und für eine Bürgerinitiative im Stadtrat von Bautzen sitzt, die regelmäßig gegen Anträge der AfD stimmt, wurde verschwiegen. Daher stelle die Berichterstattung die Verbreitung einer unwahren Tatsachenbehauptung dar. Das Verfahren wurde vom BGH an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Dieses Gerichtsurteil kann teuer für Google werden: Das Landgericht München I hat entschieden, dass der Suchmaschinenbetreiber für falsche Tatsachenbehauptungen in seinen KI-generierten AI Overviews haftet. Denn anders als bei der klassischen Google-Suche ist das Unternehmen bei seiner KI selbst der Absender. Deshalb greifen nach Auffassung des Münchner Landgerichts hier der AI Act der Europäischen Union und das deutsche Medienrecht. Ob das Urteil Bestand hat, wird allgemein angezweifelt.
Nach dem Erfolg in den Vorjahren verstärkt der DJV sein Engagement bei den Christopher-Street-Day-Paraden 2026. In sieben Städten nimmt der DJV mit eigenen Fußgruppen und teilweise Wagen oder Trucks teil. Unter dem Motto "Gemeinsam für Pressefreiheit, Vielfalt und Demokratie" zeigt Deutschlands größte Journalistenorganisation Flagge. Mit den jeweiligen DJV-Landesverbänden wird die bundesweite Aktion koordiniert und organisiert durch den DJV-Bundesfachausschuss Chancengleichheit und Diversity. Interessierte können sich noch bis 20. Juni unter der Email-Adresse csd@djv.de melden.
Für viele ein Traumjob: Auslandskorrespondentin. Aber wie kommt man überhaupt dahin? Darum dreht sich alles beim virtuellen DJV-Stammtisch "60 Minuten Zukunft" am 22. Juni. Vom Lokaljournalismus ins ARD-Studio London: Lisa-Maria Röhling berichtet von ihrem beruflichen Weg, den Herausforderungen des Journalistenberufs und den Schritten, die sie zur Auslandskorrespondentin geführt haben. Welche Erfahrungen sind hilfreich? Welche Kompetenzen werden erwartet? Und wie gelingt der Einstieg in die internationale Berichterstattung? Eine Stunde voller Einblicke, Erfahrungen und persönlicher Tipps für alle, die sich für internationale Berichterstattung und journalistische Karrierewege interessieren.
KI verändert den Journalismus bereits heute – aber wie genau sieht das im Redaktionsalltag aus? Der journalist und Correctiv untersuchen gerade, wie KI in Medienhäusern eingesetzt wird – etwa bei Recherchen, Produktionen, Datenauswertungen oder im täglichen Ablauf. Wo unterstützt sie? Wo übernimmt sie schon Aufgaben? Und wo sollte sie keine Rolle spielen?
Ulrich Pätzold, ehemals als Journalistik-Professor 30 Jahre an der TU Dortmund tätig, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
Martin Grasmück bleibt Intendant des Saarländischen Rundfunks. Der Rundfunkrat bestätigte ihn am 8. Juni in seinem Amt.
Isha Bhatia Sanan, Journalistin der Indien-Redaktion der Deutschen Welle, wird Studioleiterin des deutschen Auslandssenders in Neu-Delhi. Sie folgt auf Sandra Petersmann, die als Leiterin für Geopolitik nach Berlin wechselt. Tobias Render, bei BILD und BamS im Einsatz, wechselt am 1. September als Co-Ressortleiter People & Unterhaltung neben Lena Steeg zum Stern. Er folgt auf Carsten Heidböhmer, der als Redakteur ins Ressort zurückkehrt.
Zitat der Woche
"Wir sind gespannt, ob 'Bild' auch zur Fußball-WM KI einsetzt, um schon vor Spielbeginn exklusive Bilder vom Siegtreffer zu zeigen – mit dem Hinweis, dass das dargestellte Torverhältnis womöglich nicht ganz stimmt", nimmt der Mediendienst Turi2 die "Bild"-Berichterstattung über die Obduktion von Wal Timmy aufs Korn.
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Redaktion: Hendrik Zörner (verantw.)
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