Der DJV hat am 17. Juni die Erweiterung des Pressekodex um eine Kennzeichnungspflicht von journalistischen Beiträgen gefordert, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz entstanden sind. Eine Regelung für Fotos, die für die KI-Generierung anwendbar ist, enthält der Pressekodex des Deutschen Presserats bereits. Die aktuelle Diskussion um Künstliche Intelligenz in journalistischen Texten zeigt, dass die Glaubwürdigkeit des Journalismus auf dem Spiel steht. Der DJV wird im Presserat weiter für die Zustimmung zur KI-Kennzeichnungspflicht werben.
Mit deutlichen Worten hat der DJV am 15. Juni den von Künstlicher Intelligenz verfassten "Welt"-Leitartikel von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner kritisiert. Döpfner erweise dem Journalismus einen Bärendienst, indem er seinen Kommentar zur Depublizierung des Gastbeitrags von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt durch die FAZ von einer KI schreiben ließ, sagte DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. "Döpfners Botschaft lautet: Wozu noch bezahlter Journalismus, wenn Künstliche Intelligenz selbst leitartikelfähig formulieren kann?" Döpfner hatte am Wochenende in der "Welt" einen Leitartikel mit folgendem Zusatz veröffentlicht: "Dieser Text wurde zu hundert Prozent mit KI, genauer von Gemini (Google) generiert. Die Erzeugung dauerte ungefähr eine Sekunde."
Nach Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt trifft es jetzt Bundesdigitalminister Karsten Wildberger: Ein Gastbeitrag von ihm wurde vom Handelsblatt depubliziert - wie zuvor schon ein Text von Voigt durch die FAZ. Der Grund: Auf eine Rechercheanfrage der Zeit bestätigte Wildbergers Ministerium, dass der Text mit Unterstützung von KI erarbeitet worden sei. "Das Handelsblatt überprüft den Text nun selbst, daher haben wir den Beitrag vorerst depubliziert", teilt die Zeitung mit.
Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des Tagesspiegel Stephan Andreas Casdorff bekam Schreibverbot von der Chefredaktion. "Nach dem mehrfachen Verfassen von Meinungsartikeln mit Künstlicher Intelligenz hat die Tagesspiegel-Chefredaktion den Editor-at-Large Stephan-Andreas Casdorff aufgefordert, alle publizistischen Aktivitäten für den Tagesspiegel bis auf Weiteres ruhen zu lassen", teilte das Blatt "in eigener Sache" mit. Casdorff dazu: "Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir. Dafür bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung." Wenig später teilte die Jüdische Allgemeine mit, zwei Gastbeiträge von Casdorff depubliziert zu haben - der Grund: KI-Verdacht.
Tech-Billionär Elon Musk hat eine Unterlassungsklage gegen das Zweite Deutsche Fernsehen eingereicht. Anlass ist die Anmoderation des Senders zu einem Bericht über das Posting eines britischen Rechtsextremisten zu den Krawallen in Belfast, das Musk auf seiner Plattform X geteilt hatte. Er schrieb daraufhin auf X: "Gegen das ZDF wird wegen seiner ungeheuerlichen Lügen rechtlich vorgegangen." Unterstützung bekam er von Nius-Chef Julian Reichelt, der gleich die Zerschlagung des Senders forderte. Das ZDF gab eine Unterlassungserklärung ab und änderte die Anmoderation.
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) hat die Bundesdatenschutzbeauftragte die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Informationsfreiheit veröffentlicht. Danach sprechen sich 83 Prozent der Befragten für mehr proaktive Veröffentlichung von Dokumenten aus. Nur 10 Prozent haben bisher einen IFG-Antrag gestellt.
Bei mehreren ARD-Anstalten fehlen immer noch faire Tarifabschlüsse. Deshalb kam es in diesen Tagen erneut zu Warnstreiks, die sich auch auf das Programm auswirkten. Von Mittwoch bis Freitag streikten die Beschäftigten des Westdeutschen Rundfunks. Grund ist der Tarifabschluss des WDR mit der Gewerkschaft VRFF. Der WDR setze den Betriebsfrieden aufs Spiel, kritisiert der DJV NRW. Parallel wurde beim SWR und beim BR gestreikt. Stark eingeschränkt war die ARD-Tagesschau wegen des Streiks beim NDR. Und beim BR-Hörfunk fielen die Moderationen weg.
Der Bremerhavener Fotograf Radoslaw Polgesek hat das Bremer Pressefoto des Jahres 2025 geschossen. Dafür wurde er jetzt in der Bremischen Bürgerschaft vom DJV Bremen ausgezeichnet. Sechs Fotografinnen und 18 Fotografen machten bei dem Wettbewerb mit. Sie reichten insgesamt 188 Bilder ein. Noch bis zum 14. August sind die besten Bilder aus fünf Kategorien in der Bürgerschaft für die Öffentlichkeit zu sehen.
Frist für Helmut Schmidt-Journalistenpreis endet bald
Am 30. Juni endet die Einreichungsfrist für den Helmut Schmidt-Journalistenpreis und das HSJP Fellowship. Mit dem Preis werden besondere Leistungen im Wirtschafts- und Finanzjournalismus ausgezeichnet. Gefragt sind Veröffentlichungen, die sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen und wirtschaftliche Zusammenhänge transparent verständlich machen. Der von der ING Deutschland gestiftete Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Das Fellowship verbindet ein Stipendium mit einem Mentoring-Programm durch die preisgekrönten Wirtschafts- und Investigativjournalisten Felix Rohrbeck und Oliver Schröm. Gesucht wird eine herausragende Rechercheidee für eine bessere Wirtschaft, die dann im Rahmen des Fellowships umgesetzt werden soll. Es richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, die zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 35 Jahre alt sind.
Sebastian Lege, Fernsehkoch und Ernährungsexperte, trennt sich zum Jahresende nach 13 Jahren vom ZDF. Einem Medienbericht zufolge zieht es ihn zu RTL.
Barbara Ludwig, ehemalige Oberbürgermeisterin von Chemnitz und Mitglied des MDR-Verwaltungsrates, rückt am 28. Juni zur Vorsitzenden des Gremiums auf. Sie folgt auf Mirko Peglow.
Canset İçpınâr, bei der Wochenzeitung Freitag für digitale Transformation zuständig, wird vorübergehend stellvertretende Chefredakteurin, bis Elsa Koester aus der Eltenzeit zurückkommt.
Sabrina Hoffmann, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, verlässt das Blatt zum 1. Juli nach nicht einmal sechs Monaten. Ihre Nachfolge tritt interimistisch der stellvertretende FR-Chefredakteur Michael Bayer an.
Georg Anastasiadis, neben Sebastian ArbingerChefredakteur des Münchner Merkur, gibt nach 10 Jahren die Chefredaktion ab. Er bleibt der Zeitung als Kolumnist erhalten.
Alexander Kähler, Moderator bei phoenix, verabschiedet sich nach fast drei Jahrzehnten in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt die freie Journalistin und Moderatorin Lena Mosel an.
Zitat der Woche
"KI-generierter Journalismus ist Verbrauchertäuschung. Wo Journalismus draufsteht, darf kein überdimensionierter Taschenrechner drin sein", kommentiert KNA-Redakteurin Jana Ballweber.
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