Angriff auf Pressefreiheit: Aufnahmen beschlagnahmt
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Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Hamburg haben zu Wochenbeginn die Geschäftsräume der ZEIT aufgesucht. Die Redaktion musste Aufzeichnungen von Interviews herausgeben, die im Zusammenhang mit dem Podcast „House of Block“ entstanden sind. Die Aufnahmen enthalten Gespräche mit Familienangehörigen der Angeklagten Christina Block. Der Verlag übergab das Material versiegelt und hat rechtliche Schritte eingeleitet. "Wir sind stark unter Druck gesetzt worden: Mit der Übergabe konnten wir eine Durchsuchung abwenden und immerhin vermeiden, dass noch viel mehr Unterlagen und Material beschlagnahmt werden", sagte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Der DJV verurteilte die Beschlagnahmung der Dokumente. "Das Vorgehen der Behörden exakt zum Auftakt der Hamburger Woche der Pressefreiheit wirft schwerwiegende Fragen zum Schutz journalistischer Arbeit auf“, betonte DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfolgt die Justizaktion "mit Unbehagen".
Am Rande der konstituierenden Sitzung des Landtages von Sachsen-Anhalt kam es zum Schlagabtausch zwischen Ulrich Siegmund (AfD) und Fabian Köster, Reporter der heute-show (ZDF). Der AfD-Politiker verwies auf eine mögliche Kündigung des Medienstaatsvertrages und fragte: "Haben Sie sich schon einen Job gesucht?". Es fielen die Sätze "Sie zittern ja schon wieder, sind Sie nervös?" und "Ich glaube, Sie haben das noch gar nicht richtig verarbeiten können: Herzlich willkommen in der neuen Zeit". Das ist pure Einschüchterung. Mit Sorge sieht der DJV zudem die Berichte, wonach Köster im Anschluss an die Begegnung von einem Team des AfD-nahen Portals Deutschland-Kurier durch die Gänge des Landtags verfolgt worden sein soll. Die Landtagsverwaltung prüft derzeit den Vorfall.
Einen optimistischen Kontrapunkt zur Krise der Medien will der Journalistentag 2026 des DJV-NRW am 21. November in Dortmund setzen. Unter dem Motto „Bock auf morgen!“ bietet Deutschlands großer journalistischer Branchentreff eine Plattform für den Austausch über frische Ideen und heißt inspirierende Speaker:innen willkommen, die die Zukunft des Journalismus in schwierigen Zeiten gestalten wollen. WDR-Intendantin Katrin Vernau eröffnet den JoTag. Gäste erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Foren, Vorträgen, Werkstattgesprächen sowie neuen Formaten wie Lightning Talks, Conflict Labs und einem Ask-me-anything. Das JoTag-Programm mündet wieder in der feierlichen Verleihung der Friedrich und Isabel Vogel-Preise für herausragenden Wirtschaftsjournalismus. Die Keynote wird NRW-Landtagspräsident André Kuper halten.
Was hat europäische Politik mit der täglichen Arbeit als Medienschaffende in Deutschland zu tun? Eine ganze Menge und noch nie so viel wie gerade jetzt. Die DJV-Kommission Europa und Internationales war mit acht jungen Journalist:innen aus verschiedenen Landesverbänden auf Einladung des EU-Parlaments drei Tage in Straßburg, um mit Politiker:innen ins direkte Gespräch zu gehen. Ein Thema der Diskussion: der EU-Kids Act - jener Gesetzesentwurf der EU-Kommission aus September 2026, der Kinder und Jugendliche besser vor den Risiken digitaler Plattformen schützen soll.
Am heutigen 16. Oktober jährt sich der Mord an Daphne Caruana Galizia zum neunten Mal. Die Investigativjournalistin aus Malta kam 2017 durch eine Autobombe ums Leben. Vor wenigen Wochen wurde der Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen, an der Ermordung der Journalistin beteiligt gewesen zu sein. Im Vorfeld des neunten Todestages wurde den Organisationen „Repubblika“ und „Occupy Justice“ untersagt, Gedenk- und Protestplakate zu zeigen. Die European Federation of Journalists (EFJ) ruft deshalb dazu auf, Solidarität zu zeigen und die untersagten Plakate vor maltesischen Botschaften und Konsulaten in ganz Europa anzubringen. Auf diese Weise soll die ursprüngliche Botschaft der Proteste über die Landesgrenzen hinaus sichtbar werden.
Die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Welle wurden in dieser Woche in Berlin fortgesetzt. Die DW hat ein leicht verbessertes Angebot vorgelegt, das die Erhöhung von Honoraren und Gehältern in jährlichen Schritten von 2,0, 1,5 und 1,0 Prozent bei einer Laufzeit von 41 Monaten vorsieht. Weitere 0,5 Prozent sind an eine Vereinbarung zur Personalgestellung geknüpft. Dabei soll die erste Tariferhöhung erst zum 1. Juli 2027 erfolgen. Das wären 11 Leermonate! Dieser Vorschlag liegt unterhalb der Abschlüsse in der ARD und im öffentlichen Dienst. Gleichwohl begrüßen wir die Bewegung in den Verhandlungen. Am 24. November geht es in die nächste Runde.
Reifegrad-Report: Mehr Medienhäuser mit KI-Strategie
Künstliche Intelligenz hat in deutschen Medienhäusern strategisch und operativ Fuß gefasst. Belastbare Business Cases sind dabei selten. Dies zeigt der KI-Reifegrad-Report 2026, der vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und dem KI-Spezialisten Retresco veröffentlicht wird. Demnach steht der Mehrwert von KI für die meisten Medienhäuser außer Frage, doch oftmals werden journalistische und wirtschaftliche Ziele pauschal formuliert oder Anwendungen isoliert eingeführt. Der Anteil der Medienhäuser mit KI-Strategie stieg binnen eines Jahres um 19 Prozentpunkte auf 79 Prozent. Für die dritte Ausgabe des Reports wurden Führungskräfte und KI-Verantwortliche deutscher Medienhäuser befragt.
Julian Dorn wird Redaktionsleiter der Taunus Zeitung. Er tritt die Nachfolge von Matthias Kliem an.
Alexandra von Nahmen leitet seit Mitte Oktober die neue Hauptabteilung Programs for Europe, Turkey and Russia der Deutschen Welle.
Simon Uhl übernimmt bei der Deutschen Welle die Funktion des Chief AI Officer.
Peter Urban, Moderator und langjähriger ESC-Kommentator, hat sich von seiner wöchentlichen Sendung "Peter Urban Show" (NDR 2) verabschiedet. Er verlässt den Sender.
Maximilian Preisser ist ab sofort Vorstandsprecher bei Burda. In der neu geschaffenen Position soll er die strategische Arbeit des Vorstands koordinieren.
Klaus Bresser, langjähriger Chefredakteur des ZDF, verstarb im Alter von 90 Jahren.
Zitat der Woche
"Stirbt die liberale Demokratie, dann stirbt die Pressefreiheit. Und umgekehrt: Stirbt die Pressefreiheit, stirbt die liberale Demokratie. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, liberale Demokratie und Pressefreiheit sind miteinander verschmolzen, untrennbar."
Dirk Kurbjuweit, SPIEGEL-Chefredakteur, im Kommentar "Volle Solidarität mit der ZEIT"
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